Weihnachten ganz neu erlebt

Fröhliche Weihnachten allen, die hier gelandet sind. Leider läuft mein kleines Video hier nicht, aber bei facebook/Karin Hartel, da ist es zu sehen.

Im Laufe des Tages, werde ich hier alles mögliche hochladen, was mich bewegt und was ich mit Euch teilen will. Die erste brandneue Weihnachtsgeschichte ist geschrieben, aber noch im Rohentwurf. Von Gestern Abend will ich berichten, von dem Geschenk, auf das ich zwanzig Jahre gewartet habe. Gestern kam es an. Seid gespannt. Also, bis später Euer weihnachtselige Karin


Ein Weihnachtsbaum,
braucht keine Nadeln
auch farblos darf er sein.


Ein Weihnachtsbaum,
er spricht von Hoffnung
von Rauhreif weiß angehaucht.


Ein Weihnachtsbaum,
er steht im Garten
lebt von der Liebe und dem Land.

Die Glaskugeln

von Karin Hartel, überarbeitet von Susanna Hübner



Erwin steht mit klopfendem Herzen vor der meerblauen Haustür. Es ist Heilig Abend. Nicht gerade der günstigste Zeitpunkt, um unangemeldet einen Besuch zu machen, deshalb traut er sich kaum, den alten Türklopfer zu betätigen. Während seine Hand den eiskalten Metallring berührt, erinnert er sich daran, wie er als Kind an genau dieser Stelle stand. Auf die Zehenspitzen hatte er sich stellen müssen, um den schweren Klopfer des altmodischen Portals zu erreichen. Er hatte ihn kaum anheben können und nur ein leises Pochen erzeugt. Das Mädchen mit den Zöpfen, das ihm öffnete, konnte auch kaum die Klinke erreichen.
Jetzt wäre es ihm mit Leichtigkeit möglich, anzuklopfen, und doch ist es schwer, bleischwer die Angst, was ihn erwartet. Fünfundzwanzig Jahre ist er nicht hier gewesen. Fünfundzwanzig mal hat er Weihnachtspäckchen geschickt aus dem fernen Kalifornien und fünfundzwanzig Mal vergeblich auf Antwort gewartet.
Nun hat er sich aufgemacht, um eine Antwort auf fünfundzwanzig Päckchen und ebenso viele Jahre des Wartens zu erhalten.


Er klopft: Tock – Tock – Tock, und dann nochmal, fast übermütig wie in der Jugendzeit: Tocktock – tocktock – tocktock.
Die blaue Tür öffnet sich. Meerblaue Augen schauen ihn an. Ein Mund öffnet sich zu einem: „Oh!“
Der eben noch ungläubige Blick verwandelt sich in Strahlen, und das Lächeln lässt alle Falten verschwinden. Die Tür wird weit aufgerissen. Laura sagt einfach: „Willkommen!“
Erwin braucht nicht zu fragen, ob er ungelegen kommt. Er hat fast das Gefühl einer Einladung gefolgt zu sein.
Der Tisch ist festlich gedeckt, für zwei.
Das Feuer im Kamin brennt lichterloh.
Alles duftet nach Weihnacht, und in der Mitte der Stube steht der Baum, festlich geschmückt. Wachskerzen verbreiten sanften Schein.


Unter dem Baum stehen fünfundzwanzig wunderschöne Schachteln mit Weihnachtsmotiven. Erwin kennt sie gut.
Ungläubig tritt er an den Baum. Außer den Kerzen hängen dort nur fünfundzwanzig große Glaskugeln aus Kalifornien.
Erwin dreht sich zu der Frau um, die zuerst sein Nachbarmädchen war, dann seine große Jugendliebe: „Du hast nie geantwortet!“
„Ich habe auf dich gewartet, nicht auf Kugeln aus Glas.“ Die Frau mit den silbernen Strähnen im blonden Haar, weist mit der Hand zum Esstisch: „Jedes Jahr habe ich für dich gedeckt, aber du bist nicht gekommen.“
„Ja, aber…“ stottert der Mann.
„Du hast damals gesagt: Zu Weihnachten bin ich wieder da. Deshalb habe ich gewartet.“
„All die Jahre?“ Erwin kann kaum reden vor Fassungslosigkeit.
„Ich hatte vergessen, dich zu fragen, in welchem Jahr zu Weihnachten du zurück sein wolltest.“
Erwin sagt leise: „Du hast mir gefehlt!“
Laura lacht ein wenig bitter: „Das hab ich gehofft!“
„Aber warum hast Du nie geantwortet?“
„Ich habe gebetet.“
„Gebetet?“ Ungläubig starrt Erwin Laura an.
„Du bist doch zurückgekommen, oder?“ Laura schaut Erwin ebenso erwartungsvoll an, wie vor fünfundzwanzig Jahren.
„Sonst wäre ich nicht hier.“ Erwin fühlt sich unbehaglich
,
und erwartet Vorwürfe. Innerlich wappnet er sich gegen den berechtigten Angriff. Seine Argumente und Entschuldigungen liegen ordentlich aufgereiht und scharf formuliert zu seiner Verteidigung bereit. Wie das OP-Werkzeug eines Chirurgen: sauber, perfekt und in der richtigen Reihenfolge, falls alles nach Plan läuft.


Doch hier läuft nichts nach Plan. Laura lacht über sein Unbehagen.
„Alles ist gut. Mir ging es gut. Mein Job hätte mir gar keine Zeit für ein Familienleben gelassen. Nur Weihnachten war ich einsam. Dann schmückte ich den Baum mit deinen Kugeln und stellte mir vor, du klopfst an der Tür.“



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