Trauer am fremden Grab

Fassungslos

Fassungslos stehe ich an der Grube

geschaufelt für eine,

mir fast fremde Person.

Fassungslos starre ich in die Tiefe

zwei Meter sagt der Verstand

gefühlt ein Kilometer.

Bewegungslos ist die Welt

erddunkel bis schwarz

Blumenkränze duften schwer

Zentnerschwer die Sehnsucht

nach dem Vater

in einem anderen Grab

so weit entfernt.

Wie entstehen solche Gedichte?

Wo kommt das her?

Wo geht er hin der Schmerz, wenn ich ihn nicht teile?

Dann bleibt er in mir, nimmt immer mehr Raum ein.

Raum der fehlt für mein echtes Leben.

Das heutige Gedicht, fühle ich, nachdem ich gestern die Trauer einer anderen Frau spürte. Eine, die nach außen ihre Trauer im Griff zu haben scheint, die über den Tod ihres Vaters selbstverständlich sprechen kann. Eine, die auch ihren Mann schon zu Grabe tragen musste.

Das Unausgesprochene, das ein hochsensibler Mensch fühlt, weil er seinen Schutzwall verlassen hat, sich ganz auf ein Gegenüber einlässt, spürt er in einem fast unglaublichen Maß. Einbildung? Verspiegelung? Echo aus dem eigenen Inneren? Das ist ganz egal, was es ist, die Gefühle sind real.

Müssen verarbeitet werden, wenn man den Mut haben will, wieder ganz offen zu sein für einen Mitmenschen.

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