Die Buchpremiere

war ein Gedicht

Und auch die Gartenkatzen hörten zu…..

 

Nun sollte ich eigentlich erholt sein. Es ist Sonntagmorgen, kurz vor 7 Uhr,

wenn die Welt angeblich noch in Ordnung sein soll.

Doch meine ist ein wenig aus den Fugen.

Die Lesung, pardon, die Buchpremiere war katzenanstrengend,

auch wenn sich im Garten Hilfer die echten Katzen gar nicht sehen ließen. Hund Luzi aber war dabei. Leider verschlief sie ihren Einsatz, als sie bei einer der Geschichten zum passenden Zeitpunkt neben mir sitzen sollte.

 

Hier die Geschichte, bei der Hilfers Gartenhund Luzie bei der Lesung neben mir sitzen sollte:

 




Abgebrannt


Mit hängenden Armen und brennenden Augen stehe ich da und schaue in die Flammen.
Die Flammen werden genährt von all meinem Hab und Gut. Mein Hund drängt seine Schnauze in meine Hand, sucht Trost und Schutz.


Aufgeregte Menschen rennen in der Dunkelheit herum. Die fast unerträgliche Hitze hüllt mich ein, wie ein Schutzwall. Läßt nichts an mich heran, weder Worte noch Angst. Vor was sollte ich jetzt auch noch Angst haben? In der Situation kann mir doch kaum noch Schlimmeres geschehen.


Das Drittschlimmste in meinem Leben geschieht gerade: mein Haus brennt lichterloh.


Das Zweitschlimmste wäre gewesen, wenn meinem treuen Begleiter etwas geschehen wäre, doch der Hund steht neben mir.


Das Allerschlimmste wäre gewesen, wenn mir etwas geschehen wäre, doch damit meine ich nicht den Tod. Das Leiden davor, Krankheit, Hilflosigkeit, nicht für mein Tier sorgen können, das wäre das Allerschlimmste gewesen.
Gestern war ich noch einsam. Wünschte mir, dass jemand käme, der mir hilft all die Arbeit zu tun, die mir über den Kopf wächst. Gestern war niemand da, den ich hätte anrufen können – und jetzt sind unzählig viele Menschen da, die sich um das Notwendige kümmern.


Menschen, die, ohne dass ich sie gebeten hätte, meinen Pferdestall vor dem Feuer schützen. Die Pferde sind auf der Weide. Sie sind in Sicherheit. Ich fühle mich sicher. Im Moment kann nichts mehr geschehen, dass mich erschüttert.


Stumm stehe ich da und betrachte das Feuerwerk, höre das Krachen der alten Balken. Morsch waren sie und Würmer fraßen sich immer mehr Löcher hinein. Die Wände des Erdgeschoßes werden bestimmt nicht verbrennen, dazu sind sie viel zu naß. So naß, dass sich die Schimmelpilze dort ebenso wohl fühlten wie die Holzwürmer im Dachstuhl.


Der Gedanke erheitert mich und ich beginne zu lachen. Ade ihr Würmer. Ade ihr Schimmelpilze.
Ade ihr Massen von Papierkram der sich auf dem Schreibtisch meines Vaters türmten, die Massen, die mich zu erschlagen drohten, die Türme von Verpflichtungen von denen ich mich nicht herunterstürzen konnte.
Tschüs, ihr alten vergilbten Gardinen, die ich nicht erneuern konnte, weil mir das Geld dazu fehlte.
Tschüs, ihr undichten Fenster, deren Glas gerade mit lauten Krachen zerspringt.
Tschüs, du maroder Kamin, der nicht mehr nutzbar war.
Tschüs, all ihr wertvollen alten Möbel, von denen ich mich nicht trennen konnte.


Ich lache wohl zu laut, denn ich werde nun bedrängt von Menschen, die Mitleid mit mir haben.
Ich, die gestern noch vor Einsamkeit heulte, genießt jetzt die ungeteilte Aufmerksamkeit von Menschen. Nachbarn, die ich nur vom Sehen kenne, Feuerwehrmänner, die gekonnt dem Feuer wehren. Sie verwehren ihm das Übergreifen auf den Pferdestall, das schöne neue Holz, die frische Farbe darauf. Oh, die wird gut trocknen bei der Hitze.


Ich muss aufhören zu lachen, denn mein Verstand meldet mir Worte wie „Seelsorger“, „Krankenhaus“, „verrückt“. Nein, ich muss meine Freude verstecken und das Lachen sofort einstellen. Muss mich so verhalten, wie es die anderen von mir erwarten. Sie wissen ja nichts von dem Chaos, das sich hier gerade in Rauch auflöst.


Sie können nicht ermessen, wie befreit ich mich fühle. Gerne will ich in der Sattelkammer beim Stall leben, auf dem Feldbett schlafen und den Pferden ganz nah sein.
Keine Angst mehr, dass Einbrecher die wertvollen Erbstücke klauen wollen. Keine Angst, was ich noch finden werde in Papas Nachlaß. So Vieles, das ich nicht mehr erledigen kann, weil ich nichts davon weiß.


Doch muss ich klar werden, den Schutzwall verlassen und Kontakt aufnehmen mit den Menschen um mich herum.
Heute ist der Tag, an dem ich glaubhaft sagen kann: „Bitte helft mir, ich weiß sonst nicht weiter.“

Dieser Beitrag wird noch vervollständigt, wenn ich mich erholte habe.

 

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