Schmerztage

Es hilft mir, an das Gute zu denken.

1985 war ich zum ersten Mal in Kalifornien.
Schon damals war ich ein schmerzgeplagter Mensch,
doch hatte meine Krankheit noch keine Diagnose.
Ich war 24 Jahre alt und es gab Kraftreserven.

Durch die gescheiterte Ehe war ich dep(p)ressiv.
Gepaart mit den Gelenkschmerzen reichte es für
lange Phasen des Weinens.
Aller Weltschmerz in mir.

Meine Tante, bei der ich dort lebte,
konnte es kaum noch ertragen.
Eines Tages drückte sie mir ein lange Stück Papier
und einen Stift in die Hand.
„Schreib!“
„Was soll ich denn schreiben.“
„Dinge für die du dankbar sein kannst.“
„Für was soll ich dankbar sein?“ fragte ich sie.
Sie, meine Gastgeberin, atmete schwer aus,
schaute mich mit einer Mischung aus
Mitleid und Wut an, verließ das Gästehaus.

Ich hatte sie verletzt. Das war unübersehbar.
Und so schrieb ich auf den Zettel::
Gründe um Danke zu sagen :
Die Gastfreundschaft meiner Tante
Dass ich sehen kann,
dass ich laufen kann,
dass ich den Mut hatte
diesen brutalen Ehemann zu verlassen,
dass ich …..

Der Text auf dem Papier wurde länger und länger.
Ich glaube oben in der Dachkammer werde ich
ihn finden.

Beim schreiben der Liste war mir
klar geworden, dass die andere Liste,
die negative, kürzer werden würde,
wenn ich sie aufschreiben würde.

Hast Du je eine Dankesliste geschrieben.
Wieviele Gründe hast Du gefunden
um Danke zu sagen?

Heute würde ich gerne eine Liste schreiben
mit den Menschen, denen ich Danke schulde.
Bin gespannt, wie lang wie werden wird. 

-x
Kunst vom Hof, Karin Hartel
Karin Hartel. Kunst vom Hof,
Natur pur, Pferdeland, Wildkräuterbüchlein
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